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Juniorentörn in Holland

Vom 17. bis 22. Juli segelten 24 Junioren und Begleitpersonen durch das Watten- und IJsselmeer. Mit einem Klipper aus dem Jahr 1914, einer Stahlyacht mit komfortabel ausgebautem Innenleben, legte die Crew einige Seemeilen zurück. Wind bis zu 6 Beaufort, zwei Masten mit Gaffel-Takelage und 400 m2 Tuch forderte den ZSC-Juniorinnen und -Junioren einiges ab. Nachfolgend ein Erlebnisbericht, zusammengestellt von sämtlichen Teilnehmern.

Watten zu den Watteninseln

Vom 17. bis 22. Juli segelten 24 Junioren und Begleitpersonen durch das Watten- und IJsselmeer. Mit einem Klipper aus dem Jahr 1914, einer Stahlyacht mit komfortabel ausgebautem Innenleben, legte die Crew einige Seemeilen zurück. Wind bis zu 6 Beaufort, zwei Masten mit Gaffel-Takelage und 400 m2 Tuch forderte den ZSC-Juniorinnen und -Junioren einiges ab. Nachfolgend ein Erlebnisbericht, zusammengestellt von sämtlichen Teilnehmern

Yachtlogbuch
Von: ZSC-Junioren
Nach: Holland
Törndatum: 1.-22. Juli 2005
Logbuchführer ZSC-Junioren
Angaben zum Schiff
Name des Schiffes: Hollandia
Eigner des Schiffes: Mark Jongedijk
Schiffstyp: Klipper, 1914 gebaut
Heimathafen: Harlingen
Länge ü.A.: 30.00 m
Breite: 6.03 m
Tiefgang: 1.70 m
Segelfäche: 400 m2
Takelage: Zweimaster, Gaffel
Baustoff: Stahl

Samstag, 16. Juli, Zürich - Harlingen

Putzmunter traf sich die ganze Crew um 06:40 Uhr im Zürcher HB zum Juniorentörn auf der Nordsee. Die Reise mit der Bahn führte uns von der Schweiz durch Deutschland nach Holland. Mit bis zu 300 km/h brausten wir der holländischen Grenze entgegen. Nach der Grenze stiegen wir auf den «Sneltrein» um. Schliesslich erreichten wir nach sechs Mal Umsteigen Harlingen Main-Station. Auf dem etwas herunter gekommenen Bahnhof erwartete uns Skipper Mark mit seinem alten Transportbus. Nach 10 Minuten Fahrt erreichten wir den Heimathafen der «Hollandia». Der Klipper ist während den nächsten acht Tagen unser zu Hause. Alle sind gespannt, wie das Schiff unter Segeln durchs Wasser pflügen wird. Die Küchenmannschaft unter Theresa zaubert das erste Nachtessen «älplermakkaronen» aus der Kombüse. Mit einem Dessert und einer kleinen Geburtstagsüberraschung für Margreth sinken alle nach der langen Zugsreise von elf Stunden müde ins Bett. Für Sonntagmorgen ist das erste Auslaufen ins Wattenmeer angesagt.

Sonntag, 17. Juli, Harlingen - Terschelling

Winde aus West mit 2-3 Beaufort. Kaum Seegang. Leichte Bewölkung, hält mehr oder weniger bis am Nachmittag an. Abends reisst der Himmel auf und die Sonne zeigt sich von der besten Seite.

08:30 Tagwache, Morgenessen mit Selbstbedienung an der Schiffsbar.
09:50 Diesel-Motor springt an, letzte Gegenstände werden geladen.
10:05 Leinen los, die Hollandia legt ab.
11:40 Segel gesetzt, aufkreuzen in der Fahrrinne zu den Watteninseln.
13:10 Ein schöner Dreimaster, der uns ausweichen muss, kommt uns entgegen.
13:30 Hansjürg übernimmt das Ruder; Kurs in S-Form den Fahrrinnen entlang.
15:00 Motor an, Segel bergen und anschliessend Einlaufen im Hafen West-Terschelling. Velo mieten und biken in den Dünen und in der Nordsee baden.
20:00 Fantasie-Risotto gekocht von Team Five. Meeresleuchten verblüfft alle. Einige hauen nach dem Essen auf den Putz, die anderen legen sich in die Koje.

Montag, 18. Juli, Terschelling - Vlieland

Winde aus südwest, 1-4 Bf. Tagsüber: sommerlich wolkenlos. Abends: Gewitter mit Blitz und Donner bei stark auffrischenden Winden.

07:45 Markus überrascht uns mit frischen Gipfeli aus dem schmucken Städtchen.
09:10 Auslaufen unter Maschine.
09:45 Aufsetzen auf einer Sandbank vor Terschelling. Warten auf das Niedrigwasser. Anschliessend baden und barfuss watten im Wattenmeer. Verschiedene Quallen, Muscheln, Seewürmer, Krabben, Seeungeheuer und vieles Schreckliches mehr gibt es zu entdecken. Ein lustiges Gefühl, im Meer herum zu wandern, ohne den Grund zu verlieren.
14:50 Anker setzen, so dass das Schiff langsam aufschwimmt aber mit der Strömung nicht wegdriften darf. Schiff schwoit um den Bug-Anker.
15:20 Unter Motor gegen SW, nur mit 20 cm Wasser unter dem Kiel (Rumpf 20 cm zum Grund).
15:50 Fahrt unter Segel Richtung Süden mit Ziel Makkum. Das Wetter verschlechtert sich und wir müssen bei wenig Wind und Gegenstrom aufkreuzen. Wir entscheiden uns vorerst, nach Harlingen zu segeln. Kurz danach neuer Entscheid durch Skipper Mark: wir laufen Richtung Vlieland. (Wende und Halse Richtung Norden).
19:45 Spektakuläre Hafeneinfahrt durch sehr schmale Mündung. Der ganze Hafen von Vlieland ist überfüllt mit schutzsuchenden Booten vor dem Gewitterstrum. Perfektes Anlegen (Päckli mit Nachbarbooten) durch den Skipper. Feinstes Nachtessen durch Gruppe Doktor: Spanische Pfanne (Paella). Grosses Reinemachen, anschliessend verduften einige Jungs und Girls Richtung Disco.

Dienstag, 19. Juli, Vlieland - Enkhuizen

Winde aus West, 5 Beaufort. Bewegte See. Am Morgen: Schöner Sonnenschein. Tagsüber aufziehende Wolken und bis abends ein gigantisches Wolkenschauspiel am Himmel.

07:30 Tagwache mit reichhaltigem Frühstück.
09:00 Perfektes Ablegen unter sehr engen Verhältnissen und Fahrt in 300 Meter langem Kanal Richtung Hafenmündung.
09:15 Gross und Fock setzen (Besan bleibt eingerollt wegen zunehmend auffrischendem Wind).
13:00 Segel bergen und Schleuse bei Kornwerdenzand (Wattenemeer - IJsselmeer) passieren. Nach der Schleuse werden die Segel wieder gesetzt und weiter geht es ohne sich an bestimmte Fahrrinnen halten zu müssen.
14:30 Unser Klipper erreicht die maximale Krängung für Kombüse: Einziger Schaden im Salon des Skippers, wo sich Scherben mit Eiern und Bier mischen. Die harten Jungs lassen sich auf dem Vordeck in den Badehosen von den sich brechenden Wellen duschen. Zwischendurch mussten noch drei Halsen mit viel Handarbeit gefahren werden. Immer wieder hören wir: «Es isch eifach geil!»
18:00 Einlaufen in Enkhuizen, einem für holländische Verhältnisse typischen Ort. Kleiner Rundgang im Städtchen mit Apero: Lachs und Bier. Unterdessen bereitet die Küchencrew unter Sämi ein Barbecue mit Würstenchen vom Grill und feinem Kartoffelsalat vor. Ein Znacht unter freiem Himmel, welch ein Genuss! Auf den Nachbarschiffen wird (leider) von den Jungen viel Bier getrunken. Wir haben Glück: Unsere Junioren nehmen dies nicht als Vorbild. Dafür gibt es wieder Ausgang in die Stadt. Gutes Kindersitting durch unsere weiblichen Crewmitglieder, so dass Jürg und Fredi auch einmal den Ausgang geniessen können. Fleissige Crewmitglieder backen das erste eigene Brot auf dem Schiff.

Mittwoch, 20. Juli, Enkhuizen - Hoorn

Wind aus Westen mit 6 Beaufort. Verstärkter Wellengang. Den ganzen Tag über bleibt der Himmel bedeckt. Auch die Temperaturen sinken auf ein Niveau, das Segelkombis erfordert.

08:00 Tagwache

09:00 Einkauf auf Frischwarenmarkt in Enkhuizen: Fische, Früchte, Gemüse und herrliche Kirschen aus Belgien. Für den Rest geht es in den nahe gelegenen Aldi.

11:35 Mit voller Kombüse laufen wir unter Motor aus.

12:15 Grossegel setzen. Reff 1 nötig, da der Wind noch zunimmt.

12:30 Ein Knall! Das Grosssegel reisst bei der Reffkausche achtern. Das Segel wird ohne weiteren Schaden geborgen. Weiter Richtung Süden kommen wir leider nur unter Maschine. Das nicht ganz zur Freude der Jungmannschaft.

14:00 Nach einer kürzeren Etappe laufen wir im Hafen Horn ein. Das Grosssegel wird sofort abgeschlagen und für den Segelmacher bereitgelegt. Wie ein Tazzelwurm wird es von Bord in den wartenden Transportbus getragen. Schiff klarieren und anschliessend Landgang im malerischen Städtchen Hoorn. Leider lädt das feuchte Wetter nicht zum Verweilen auf den Terrassen der schmucken Strassenkaffees ein.

17:30 Küchenbrigade macht sich klar zum Fischkochen. Menu: Dorsch und Lachsforellen in der Salzkruste mit Pertersilienkartoffeln und Blumenkohl. Der holländische Skipper lernt das erste Mal in seinem Leben, wie man Fisch im Salzbett zubereitet. Die Malzeit schmeckt herrlich. Zur Nachspeise gibt's frische Frucht-Quark-Creme. Die Junioren backen unter kundiger Leitung von Theresa und Sämi bis um 02:00 Uhr nachts das Brot für die nächsten Tage. Während dem die Senioren ein Glas Rotwein in der nahen «De Hofdtooren» geniesse

Donnerstag, 21. Juli, Hoorn - Gron

Anfäglich Wind aus SW, drehend und auffrischend auf NW 6-7 Bf. Ganzer Tag bedeckter Himmel zeitweise mit etwas Niederschlag.

08:00 Tagwache

09:45 Auslaufen ohne Grosssegel an Bord.

09:55 Fock und Besan bei Wind SW 3-4 setzen.

11:40 Schleuse südlich von Enkhuizen passieren.

12:10 Segeln mit Fock und Besan. Diese stabilisieren das Boot und stossen etwas mit der Maschine, da der Kurs hart anliegt. Mit Winden aus NW bis zu 30 Knoten «durchqueren» wir das IJsselmeer und erreichen die Küst

14:00 Bei Starkwind laufen wir im Vorhafen der Küstenstadt Stavoren ein. Es dauert etwas zu lange beim Bergen der Fock, was das in den Windstelllen des Klippers sehr erschwert. Besan bergen, anschliessend perfekte Einfahrt in die enge Schleuse von Stavoren. Zahlreiche Zuschauer verfolgen das Manöver. Mit viel Verkehr auf dem Wasser geht es Richtung Osten. Sehr schöne, landwirtschaftlich geprägte Flusslandschaft. Dementsprechend zeigt sich die Farbe des Wassers und ein Duft liegt in der Luft.

14:30 Bei Galamadammen schliesst der Brückenwart die Brücke für den Autoverkehr. Keine 100 Meter vor der Brücke muss Mark das Schiff im Kanal abrupt quer in den Wind stellen. Bereits zwei Minuten später ist die Brücke wieder offen, doch bei den starken Querwinden gelingt es unserem Skipper fast nicht mehr, das Schiff vor der Brückendurchfahrt wieder längs in den Kanal zu stellen. Die Fender sind schnell zur Stelle und so kann grösserer Schaden verhindert werden. Auch ohne Kenntnisse der holländischen Sprache verstehen wir, was Mark dem Brückendiener (königlicher Angestellter) über Funk mitteilt. Durch das Binnenmeer von Luessen geht es nordöstlich Richtung Heeg, wo wir in einen schmalen Kanal abzweigen. Wir segeln wieder mit Besan und Fock und schieben etwas mit der Maschine. Der Wind kommt achterlich etwas schwächer. Feiner Nieselregen zwingt die meisten in die Kajüte.

15:55 Wir queren die Nationalstrasse unter der Jeelteslootbrücke. über Aldshorn und Zuideren geht es weiter wie auf einer stark befahrenen Autostrasse. Immer dichter wird der Schiffsverkehr und wie erleben hautnah warum sich die Holländer auch 2005 noch als Seefahrernation fühlen.
18:30 Anlegen in Gron. Einem kleinen Städtchen, dass sich stark auf den Tourimus ausgerichtet hat.

Freitag, 22. Juli, Gron - Harlinge

Leichter Wind von der Küste her. Weiterhin bedeckt mit etwas Niederschlag.

09:00 Das reparierte Grosssegel trifft ein.

09:15 Das letzte Mal ein reichhaltiges Morgenessen auf unserer geliebten Hollandia.

10:00 Wir verlassen das Städtchen am Fluss. Schlagen das Grosssegel an und hoffen auf günstigen Wind. Welch eine Enttäuschung: Bereits beim Anschlagen des Segels wird nochmals ein Riss im Tuch entdeckt! Mark beschwert sich sofort bei der Segelmacherei. Am Samstag geht es bereits ab auf den nächsten Törn. Daher wird beschlossen, dass Tuch in Harlingen in die am Flusslauf liegende Segelmacherei zu bringen. Nun geht es also weiter unter Motor bis nach Harlingen.
14:45 Wir laden das defekte Segel in der Segelmacherei ab. Schade, für einen Blick in die Arbeitsräume reicht die Zeit leider nicht mehr.
15:00 Die Hollandia legt an ihrem Platz im Heimathafen an. Sofort beginnen Reperaturarbeiten am Schiff. Uns bleibt noch das Aufräumen der Küche und der Kajüten. Vorbereitungen für den Reiseproviant werden unter kundiger Aufsicht von Theresa getroffen.

16:30 Wir verabschieden uns von Mark und seiner anpackenden Matrosin Susan. In Harlingen Main-Station geht's auf den Zug. Uns erwartet eine lange Reise auf etwas unbequemen Ruhesitzen nach Zürich.