Nach anstrengender Reise, besonders auch für die Autos, kommen wir beladen mit insgesamt elf Lasern verteilt auf drei Autos in Valbella an. Nach der Umrundung unseres zukünftigen Trainingsplatzes (Heidsee) erreichen wir unsere Unterkunft für die nächste Woche, die Casa Fadail. Da die Junioren mit dem Zug hochgefahren sind, treffen wir sie nach unserer Ankunft bereits voller Begeisterung für das tolle Haus und voller Elan für die kommende Woche. Nach einem sehr schmackhaften Abendessen, geht‘s zu Fuss auf eine erste Besichtigungstour um den See. (Den kleineren Teil, versteht sich). Und dann neigt sich der erste Tag auch schon dem Ende zu.
Da das Joggen am Morgen freiwillig war, haben sich die Jungs alle zusammen abgemeldet. Nur die drei Ladys haben sich sportlich betätigt.
Das Abladen der Boote ist nicht ganz so einfach wie gedacht und beansprucht deshalb auch wesentlich mehr Zeit... Zusätzlich müssen die Boote nach dem Abladen auch noch Meilenweit (so kam‘s den meisten jedenfalls vor) gezogen werden, bis sie endlich an der richtigen Einwasserungsstelle bereit stehen. Und als dann alle über die Ziehbrücke und an der Ziehvorrichtung vorbeigetragen sind, steht auch schon die erste hart verdiente Mittagspause mit Picknick am See vor der “Ziehbrücke“.
Nachdem die kleinen und manchmal auch etwas grösseren Bäuche der Junioren gefüllt sind, geht‘s dann endlich voller Erwartungen ans erste Aufriggen und ans anschliessende Auslaufen. Auf dem Programm stehen mehre kleine Übungen und anschliessend eine erste Regatta. Voller Stolz kann ich vom Land aus meinen Junioren beim erfolgreichen Kentern und aufstellen der Boote zuschauen, denn die Thermik treibt denn Wind zu immer höheren Leistungen (sprich: Beaufort). Und auch das Niveau der beiden nicht ZSCler überrascht mich im positiven Sinn. Bevor wir nach den anstrengenden Übungen zur Regatta weiterschreiten machen wir eine kurze Pause. Für die jüngeren und noch nie bei solchen Verhältnissen (Zürichsee lässt grüssen) gesegelten ist mit dieser Pause der erfolgreiche Segeltag zu Ende. Für die Regattacracks, einige auch zu zweit auf dem Boot, beginnt nach dem langweiligen up and down Kurs endlich die erste Regatta bei Windstärke 5 mit Böen. Da auf dem Heidsee keine Motorboote gestattet sind und deshalb das Bojen setzen etwas schwierig ist, hat uns der Surf und Segelclub Lenzerheide Valbella freundlicherweise seine Regattabojen gesetzt.
Mit müden und zittrigen Händen kehren die Regatteure nach zwei anstrengende Läufen ans Land zurück.Ein wie gewohnt hervorragendes Nachtessen erwartet uns in der Unterkunft. Es folgt eine Nachbesprechung mit Tipps und Ratschlägen für weitere Regatten. Erschöpft legen wir uns ins Bett und es werden wohl manche Boo ...ehm... Betten natürlich, im Schlaf geschaukelt haben.
Voller Motivation stehen besonders die männlichen beteiligten am frühen Morgen (07:15) vor der Casa Fadail. Eine kurze Runde um den See, ein erfrischendes duschen und dann folgt ein Morgenessen bei den ersten Sonnenstrahlen im Esssaal der Casa Fadail.
Anschliessend steht wieder Segeln auf dem Programm. Ein laues Lüftchen begrüsst uns am See, der übrigens die ganze Woche über zwischen 22-23° warm ist (für einen Bergsee enorm warm). Aufriggen, umziehen, briefen und schon sind die Junioren wieder auf dem Wasser. Die heutigen Übungen stehen ganz im Namen der Manöver. Wenden, Halsen, Bojenrunden.
Für die Mittagspause ziehen wir mangels Platz am Steg alle Boote an Land und müssen sie wegen den auffrischenden Winden festbinden.
Da wir die Bojen nicht verschieben können, bringen wir den Junioren bei, wie sie um die beiden Bojen mit Beobachten der anderen Segler in Bezug auf Speed, Trimm und Taktik zum Optimum trainieren können. Der starke Wind und die langen Trainings beginnen erste Wirkung zu zeigen und die ersten Ermüdungserscheinungen treten auf. Nach zwei Regattaläufen entscheiden wir uns dann auch das Training an Land fortzuführen. Nach aufräumen und zurückradeln zur Casa Fadail gibt‘s Theorie bis zum Abendessen. Am Abend dürfen die Junioren dann das Programm selbst bestimmen. Der nahegelegen Kunstrasen lädt zum Spiel ein und so humpeln dann auch nach dem Eindunkeln die ZSCler mit zahlreichen Blessuren zurück zur Unterkunft.
Die Sommerschlittelbahn in Churwalden wollen wir und besonders die Junioren natürlich nicht verpassen. Um 09:10 geht‘s mit den Autos zur Talstation der Schlittelbahn. Wohlwissend, zumindest die Leiter, dass der Sessellift erst um 10:00 in Betrieb genommen wird. Die Vorfreude auf den bevorstehenden Aufstieg zur Bergstation ist vielleicht sogar noch grösser als die Freude aufs wieder runter Rodeln. Jedenfalls mühen wir uns den stotzigen Hang hoch und kommen nach einer Stunde anstrengendem hochklettern verschwitzt auf 2000 m.ü.M. an.(von ursprünglich 1300m.ü.M) Die Rasante Abfahrt zu Zweit oder Alleine entschädigt uns dann für den Aufstieg. Leider lässt unser Budget keine Zweite Abfahrt zu.
Am Nachmittag erwartet uns der Präsident des SSCLV Felix Weilenmann am See. Er wird heute für uns eine Regatta leiten an der auch lokale Segler teilnehmen. Wir segeln 5 Läufe mit teils zahlreichen Frühstarts und anschliessendem Durcheinander bei der Startboje und beim knapp bemessenen Platz auf dem Heidsee, kann man sich das Chaos gut vorstellen. Fix und fertig klettern wir nach den fünf Läufen und der gewohnt starken Thermik von den Booten, was bei einigen nicht ohne Bademissgeschick ablief.
Lenzerheide feiert und wir mittendrin! Überwältigend ist das ganze ja nicht. Aber die Älplermacaronen mit Apfelmus und vielen Zwiebeln sind eine kleine Köstlichkeit.
Irgendwie müssen wir die mitgeschleppten Velos ins Programm einbauen und da Lenzerheide den Ruf eines Bikermekkas geniesst, liegt nichts näher als uns auf die Sättel zu schwingen und den Berg hoch zu keuchen. Aufgeteilt in eine starke und eine weniger starke Gruppe radeln wir über Stock und Stein. Die stärkere Gruppe muss jedoch schon bald einsehen, dass ihr die geplanten 1000 Höhenmeter etwas zu viel des Guten sind und dem lockenden Singeltrail nach Dreivierteln der Tour könnte wohl auch sonst niemand widerstehen. Nach der wunderschönen Abfahrt machen wir einen kurzen Stop im Bikepark und nach einem glimpflich abgelaufenen Unfall geht‘s zurück zum wartenden Mittagessen.
Gesättigt richten wir die Boote ein und machen uns bereit für eine weiter Segel Session. Nach einem anstrengenden Training zum Thema Angriff auf die Innenposition, starten wir auch schon die nächste Regatta. Eine kurze Pause mit Farmer-Stärkung folgt den beiden Läufen. Da die Kraftreserven beim konstant starken Wind langsam aufgebraucht sind, entscheiden wir uns für ein Spiel. Zu zweit sitzen die Junioren auf den Booten und müssen sich gegenseitig mit einem Ball abschiessen. Getroffene müssen eine 720° Drehung um eine Boje ausführen, was besonders bei den älteren und grösseren nicht immer ohne Kenterung klappt. Da der Heidsee an kaum einer Stelle so tief ist, dass man nicht stehen kann, sind die meisten Masttops am Ende grün-braun geschmückt. Das Grünzeug fällt oft herunter aufs Boot und Mannschaft und das Masttop bleibt leicht gebräunt zurück.
Um den letzten Abend zu würdigen, grillieren wir am See. Der mitgebrachte und natürlich von unseren Köchen hergestellte Hörnlisalat schmeckt mit den leckeren Bratwürsten vorzüglich. Am Feuer sitzend und Enten mit Steinen verscheuchend verbringen wir einen wunderschönen Abend weit weit weg von Zürichs Hitze. Im dunkeln fahren wir anschliessend per Velo zurück zum Lagerhaus. Da kaum einer Licht am Velo besitzt, war‘s auch tatsächlich stock dunkel und die Strasse vermuteten wir mehr unter unseren Rädern als dass wir sie sahen.
Aufräumen, Lavabo putzen, Boden wischen, Betten ausziehen... Die Liste ist lang und entsprechend viel Zeit müssen wir investieren. Kurz vor Mittag radeln wir dann aber doch zum letzten Mal an den See. Das Aufriggen der Boote geht in der Zwischenzeit relativ zügig vonstatten. Doch bevor wir uns aufs Wasser wagen, nehmen wir noch ein mit Salat vom gestrigen Abend ergänztes Mittagessen am See ein. Heute sehen wir den Heidsee zum ersten Mal nicht unter wolkenlosem Himmel. Bedrohlich schieben sich die Gewitterwolken von Arosa her über die Berge. Dennoch entscheiden wir uns nach befragen der Einheimischen fürs Auslaufen. Als Abschluss möchten wir ein Teamrace durchführen. Drei vierer Teams segeln gegeneinander. Dasjenige Team mit weniger Punkten nach zusammenzählen der Klassierungen gewinnt den Lauf. Da ein Team jeweils an Land Start und Zieleinlauf leiten muss, gibt‘s nach jedem Lauf einen kleine Unterbruch. Den zweiten Lauf können wir zwar erfolgreich Starten, doch schon nach kurzer Zeit spüren wir die ersten Regentropfen. Der Wind wird immer drehender und gleichzeitig auch immer schwächer. Mit müh und Not kommen alle noch ins Ziel, doch wegen dem drohenden Gewitter müssen wir die Regatta abbrechen und beginnen mit dem aufladen der Boote auf die Anhänger.
Die Zeit zum Boote aufladen haben wir etwas knapp bemessen. Deshalb wird‘s dann auch ziemlich eng für die Junioren, die ja noch den Bus um 17:40 erreichen müssen. Eine Rangverkündigung im Schnelllauf mit Preisen gesponsert von Yachting Systems in Zürich und der Ortsdrogerie Lenzereheide hat gerade noch Platz.
Die Heimfahrt verläuft ohne Probleme und wie geplant können wir am Abend die erschöpften Junioren nach dem Verräumen der Boote wieder ihren Eltern übergeben.